EKD-Friedensdenkschrift 2025: Welt in Unordnung Gerechter Friede im Blick
Die EKD hat ihre friedensethischen Positionen angesichts der aktuellen friedenspolitischen Herausforderungen neu überdacht. Das Grundsatzpapier knüpft an den Begriff des Gerechten Friedens an, der seit den Überlegungen zum Thema Frieden im Jahr 2007 leitend ist. Mit leichten Veränderungen in den Nuancen wird der Gerechte Friede mit folgenden vier Dimensionen beschrieben: Der Schutz vor Gewalt, die Förderung von Freiheit, der Abbau von Ungleichheiten sowie der friedensfördernde Umgang mit Pluralität. Eine Akzentverschiebung gegenüber dem bisherigen Verständnis des Gerechten Friedens erfolgt dadurch, dass der Schutz vor Gewalt als grundlegendes Gut angesehen wird, auf dem die anderen drei Dimensionen aufbauen. Dies führt unter anderem zu einer Neuakzentuierung von Friedensethik und Sicherheitspolitik. Verteidigungsfähigkeit wird als Notwendigkeit der Friedenstüchtigkeit bezeichnet. Auch wenn deutlich gemacht wird, dass Sicherheitspolitik niemals ausschließlich auf militärische Stärke setzen darf, wird die grundlegende Bedeutung der ersten Dimension des Gerechten Friedens – nämlich des Schutzes vor Gewalt – insgesamt recht stark betont. Eine Fokussierung auf diesen Aspekt des Gerechten Friedens stellt auch das in der Denkschrift zum Ausdruck kommende Verständnis von Friedensbildung dar. Diese habe „den Erwerb digitaler Souveränität und das Verständnis von digitaler Sicherheit zu schulen und zu unterstützen“(109). Nicht mehr so eindeutig wie in früheren Denkschriften ist die Positionierung zu Nuklearwaffen. In dieser Frage bestehe ein ethisches Dilemma. Auch wenn „ihr Einsatz durch nichts zu rechtfertigen ist“, „(kann) der Besitz von Nuklearwaffen sicherheitspolitisch notwendig sein.“ (145) Auch die nukleare Teilhabe oder der Besitz von Nuklearwaffen wird als eine mögliche ethisch begründbare Entscheidung bezeichnet.
Es gibt bereits einige Stellungnahmen, die sich mit dem Papier auseinandersetzen. Wir stellen auf der Homepage der Friedensbildungsarbeit in der EKiR einige zur Verfügung. Möge jede*r eine eigene Position finden!
Die neuen Überlegungen der EKD zum Thema Krieg und Frieden werden auch Gegenstand des Rheinischen Friedensforums sein, das am 7. März 2026 in Bonn stattfindet (Save the date!). Das Motto der Veranstaltung lautet: „Wie verstehen wir Frieden?“ Prof. Dr. Jörg Huber, einer der Mitautor*innen, wird das neue Grundlagendokument vorstellen. Das Friedensforum lädt zur eigenen Auseinandersetzung mit den Thesen der Denkschrift ein und bietet Chancen der Gewinnung eigener Perspektiven und Orientierung in herausfordernden Zeiten. Die Anmeldung wird bald auf der Homepage der Friedensbildung in der EKiR zu finden sein.
Selbstlernkurs: Frieden gestalten – Praxis für deine Jugendarbeit
Frieden ist lernbar – und beginnt im eigenen Umfeld. Der digitale Selbstlernkurs des Studienzentrums Josefstal führt kompakt in die Friedenspädagogik ein und zeigt, wie Konflikte konstruktiv gelöst und Friedensprojekte in der Jugendarbeit umgesetzt werden können. Mit vielen praxisnahen Methoden stärkt der Kurs auch die eigene Friedenskompetenz im Umgang mit jungen Menschen.
Dauer: ca. 1,5 Stunden Kostenlos und jederzeit online verfügbar
Perfekt für alle, die Frieden in der Jugendarbeit erlebbar machen wollen.
Hier geht's zu den Kursen.
Ausstellung: Gesichter des Friedens Eine multimediale Ausstellung von Pro Peace
Was bedeutet Frieden für Menschen, die selbst Krieg erlebt haben? Die Plakat- und Videoausstellung „Gesichter des Friedens“ porträtiert zehn beeindruckende Persönlichkeiten, die sich auf ganz unterschiedliche Weise für Frieden einsetzen – aus tief persönlicher Erfahrung heraus. Jedes Porträt verbindet ein großformatiges Plakat mit einem Video-Interview, das berührt, inspiriert und zum Nachdenken anregt.
Ideal für Schule, Gemeinde und Bildungsarbeit, um Friedensgeschichten lebendig zu vermitteln und Dialog anzuregen. Mehr
Internationales Versöhnungsprojekt – Erinnerung lebendig gestalten
Wie kann Versöhnung erfahrbar werden? Schülerinnen und Schüler des Loehe-Gymnasiums setzten gemeinsam mit Partner*innen aus Deutschland und Tschechien ein starkes Zeichen gegen das Vergessen. Im Rahmen eines Nagelkreuz-Projekts besuchten sie die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg und nahmen an einem eindrucksvollen Theaterworkshop des Netzwerks Čojč teil. Mit szenischen Installationen und körperlichen Übungen näherten sich die Jugendlichen Themen wie Erinnerung, Schuld, Verantwortung und Versöhnung. Die deutsch-tschechische Zusammenarbeit führte zu intensiven Gesprächen über demokratische Werte und gemeinsames Lernen aus der Geschichte.
Ein inspirierendes Beispiel, wie junge Menschen Erinnerungskultur kreativ gestalten und Frieden praktisch leben. Mehr zum Versöhnungsprojekt.
Recherchen zu Häftlingsschicksalen
Podcast: Polarisierende Konflikte als pädagogische Herausforderung
Wie können wir Frieden fördern, wenn Meinungen aufeinanderprallen? In dieser Podcastfolge der Friedensakademie Rheinland-Pfalz spricht Prof. Dr. Karim Fereidooni darüber, wie pädagogische Arbeit helfen kann, mit gesellschaftlichen Spannungen, Diskriminierung und Polarisierung umzugehen – und warum genau dort, „wo es weh tut“, Friedenslernen beginnt. Ein aktuelles Gespräch, das Mut macht, Konflikte als Lernräume zu begreifen – und Haltung zu zeigen.
Tipp: Prof. Fereidooni war zudem im Interview mit 1Live zu den „Stadtbild-Aussagen“ von Bundeskanzler Merz (22.10.2025) zu hören – ein spannender Impuls über gesellschaftliche Vielfalt.
Weitere spannende Podcasts zum Thema: Friedensakademie Rheinland-Pfalz
Wider die Kriegstüchtigkeit – Schritte zur Friedensfähigkeit. 10. Januar 2026, 10:00 - 16:00 in Bonn
Die Rede von der Kriegstüchtigkeit dominiert Äußerungen der Politik, national wie international. Sie bestimmt, bis in die Kirchen hinein, zunehmend die Gesellschaft und öffentliche Diskurse. Die Friedenswerkstatt lädt ein, dagegen Ansatzpunkte zu erarbeiten. Zum Auftakt gibt es einen theologisch-friedenspolitischen Impuls des Pädagogen Prof. Josef Freise. Anschließend bieten vier Arbeitsgruppen Auseinandersetzungen zur Vertiefung.
Infos und Anmeldung
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