Liebe Leser*innen,
das Jahr 2026 beginnt mit einer biblischen Zusage, die uns gerade in diesen unruhigen Zeiten Mut machen kann: „Siehe, ich mache alles neu“ (Offb 21,5). Diese Worte erinnern uns daran, dass Veränderung möglich ist – selbst dort, wo sie unmöglich erscheint. Doch wie entsteht Neues? Wie können wir als Gesellschaft, als globale Gemeinschaft, den Wandel gestalten, den wir uns wünschen?
Die Politikwissenschaftlerin Erica Chenoweth hat mit der 3,5%-Protest-Regel eine erstaunliche Erkenntnis formuliert: Wenn sich nur 3,5 % der Bevölkerung eines Landes gewaltfrei für eine Sache engagieren, kann dies ausreichen, um autokratische Systeme zu erschüttern und tiefgreifende Veränderungen herbeizuführen. Diese Regel zeigt, dass es nicht immer großer Massen bedarf, um Geschichte zu schreiben – sondern entschlossener, strategischer und gewaltfreier Solidarität. Bewegungen wie die „Singende Revolution“ in Estland oder die Proteste im Sudan haben bewiesen, dass gewaltfreier Widerstand nicht nur moralisch überlegen, sondern auch doppelt so erfolgreich ist wie gewaltsame Aufstände. Wie wäre es, wenn wir in Deutschland neben der militärischen auch verstärkt über die soziale Verteidigungsbereitschaft nachdenken würden?
Doch während uns diese Regel Hoffnung gibt, zeigt die aktuelle weltpolitische Lage, wie fragil Frieden und Gerechtigkeit sind. Die Entführung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro durch die USA wirft grundsätzliche Fragen auf: Wer entscheidet über Souveränität? Wo endet der Kampf für Demokratie, und wo beginnt die Verletzung des Völkerrechts? Und dann die Fantasien der USA, Grönland zu annektieren – ein Plan, der nicht nur an koloniale Machtpolitik erinnert, sondern auch die Dringlichkeit unterstreicht, globale Konflikte durch Dialog und nicht durch Expansion zu lösen.
In einer Welt, die zwischen Hoffnung und Eskalation schwankt, ist die Jahreslosung „Siehe, ich mache alles neu“ auch ein Aufruf: Wir sind nicht ohnmächtig. Jede Stimme zählt. Jeder Protest, jeder Brief an Abgeordnete, jede Solidaritätsbekundung mit Menschen wie Narges Mohammadi (siehe Friedensstimme des Monats) ist ein Schritt in Richtung Veränderung.
Wo können wir selbst zu den 3,5 % werden, die Neues wagen? Wo können wir gewaltfrei, aber entschlossen für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung eintreten? Einige Anregungen finden sich in diesem Newsletter.
Herzliche Grüße Ihr Team der Digitalen Friedenstaube
Wenn Sie interessante Veranstaltungen, Materialien oder Initiativen zur Friedensbildung kennen, lassen Sie es uns wissen! Schreiben Sie uns gerne an friedensbildung@ekir.de – wir freuen uns über Ihre Hinweise und Anregungen.
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